Verfasst von: manfredthurm | Oktober 27, 2009

Schicksal & Freundschaft

Meine Entscheidung nach München zu gehen fiel vor einem reichlichen Jahr ziemlich spontan aus. Dass die Wohnungssuche dort schwer werden würde und das Leben teuer, war mir zwar bewusst aber nicht ganz klar. (Oder andersherum?)

Als ich dann auf Wohungssuche war und schon drei Termine mit Besitzern ausgemacht hatte, rief mich plötzlich das Studentenwerk an, es hat einen Wohnheimplatz für mich. Angeschaut, genommen, eingezogen. Dauer Wohungssuche= 1 Tag.

Dann gab es an der Mathefakultät für die Erstis Vorkurse, der halbe Jahrgang wurde nach Nebenfächern und Nachnamen in 20-Mann-Gruppen unterteilt. Faszinierenderweise bestehen diese Gruppen bis heute als Freundeskreise weiter, obwohl sie eigentlich nur zufällig zusammengewürfelte Menschen waren. Ist es Zufall, dass sich diese Gruppen untereinander so gut verstehen, oder Schicksal dass die richtigen Personen zusammensaßen?

Als Neuling in München kannte ich niemanden, aber aus Dresden war ich einen großen Freundeskreis mit einigen wenigen engen echten Freunden gewöhnt. Das wollte ich mir auch in München aufbauen, aber auf Zwang einen so guten Freund wie Rene zu finden ging leider nicht. Am Ende wurde der Mensch mein bester Freund, der zufällig auch im selben Wohnheim wie ich wohne, mit mir auf der MEUP war und ständig mit mir U-Bahn gefahren ist: Meine beste Freundin Anna. Geplant war das keinesfalls, aber Dinge passieren mnachmal ohne unser bewusstes Zutun besser, als mit!Tanzen

Die schicksalhafteste Begegnung war vermutlich die mit meiner Tanzpartnerin Rebekka: Ich; das erste mal im Turnierverein, frage wo denn der Trainer ist, bekomme den Trainer gezeigt, unterhalte mich mit ihr und sie meint ich solle mich doch einfach aufs Parkett stellen. Dort standen eine Menge Tanzpaare und ich stellte mich dazu, nichtsahnend, was denn da so kommt. Und was kam war Rebekka, mit der Frage: „Brauchst du noch eine Frau zum tanzen?“ Und seit diesem Tag tanzen wir zusammen (und sind am Wochenende auch aufgestiegen und haben gewonnen), weil praktischerweise ihr alter Partner keine Lust mehr hatte.

Auf jeden Fall habe ich innerhalb des letzten Jahres eine Menge Menschen verschiedenster Coleur kennengelernt, und dank des Studienfachwechsel lerne ich schon wieder unzählige faszinierende, nette Menschen kennen. Hab wieder einen großen Freundeskreis und einige wenige enge Freunde hier in München. Ob es nun Schicksal oder Zufall war, dass wir uns getroffen haben, spielt keine Rolle. Ich denke sowieso, dass es vermutlich daran liegt, dass Menschen die Zeit miteinander verbringen oder dazu „gezwungen“ werden automatisch soziale Bindungen verschiedener Level eingehen. Und je nach Chemie zwischen ihnen wir dann mehr oder weniger draus.Eine spannende Frage wäre: Inwieweit man die Suche nach passenden Gruppen „verbessern“ kann. Ob es sinnvoll ist aktiv nach Menschen zu suchen, von denen man glaubt, dass sie zu einem passen, oder ob der Zufall und die Chemie die passenden heranträgt…

Zum Schluss noch ein toller Einwand meiner grandiosen Tanzpartnerin: Auf der Zugfahrt nach Roth haben wir uns mal wieder unterhalten wie es für sie ist ohne Handy und Internet zuhause zu leben (Und generell mit sehr eingeschränkter Nutzung des WWW). Schließlich laufen viele soziale Kontakte heute über das Netz, Partyeinladungen, Emails, Telefon, … Und sie meinte, dass man wirklich gute Freunde daran erkennt, dass sie sich persönlich oder per Telefon, altmodisch von selber bei einem melden, und dass man nicht immer nur ihnen seinen eigenen Output aus eigenem Antrieb aufzeigen muss. Ein interessanter Gedanke in unserer teilweise unkommunikativen redeintensiven Gesellschaft. (siehe mein Blog Stop talking)


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