Heißt es immer dann, wenn ein Schüler vor der auf eine Mathematikaufgabe schaut, wie ein Schwein ins Uhrwerk. Das Gestöhne ist groß, wenn es daran geht Parabeln zentrisch zu strecken, oder Integrale von dreifach verketteten Funktionen zu berechnen. Warum müssen wir sowas lernen? Das hat doch nichts mit der wirklichen Welt zu tun. Zeter und Mordio schreien die geplagten Schüler. Mathelehrer zu sein, ist kein leichter Job.

Selbst an den Universitäten in den Mathematikstudiengängen wird ab und zu über den sich-nicht-lösen-lassen-wollenden Hausaufgaben die Frage der Sinnhaftigkeit laut. Da kommen schon mal Aufgaben à la „Peter möchte Fußball schauen, Petra lieber ins Kino, approximieren sie das Problem mit folgender Funktion … und bestimmen sie den maximal möglichen erfolg der beiden. Mit welcher Strategie sind die beiden erfolgreicher? Vermutlich war sich unser Proff in dieser Woche nicht ganz sicher, was er zum Einjährigen machen sollte. Und wozu soll man schließlich als Erstsemestler beweisen, dass Null mal eine reelle Zahl immer Null ergibt. Ist das nicht offensichtlich und empirisch belegt? Lernen wir das nicht in der Grundschule?
Eben nicht!
Denn die Mathematik ist keine Naturwissenschaft, wie Physik, Chemie, Biologie, …., die auf der Beobachtung und Beschreibung von Prozessen in der Natur beruhen. Sie ist eine Geisteswissenschaft, die sich selbst abstrakte Strukturen aus dem Nichts erschafft, diese beschreibt und untersucht. Darum ist der Beweis, dass Null mal a gleich Null ist, nicht, weil man wenn man nie etwas nimmt nichts hat, sondern weil folgendes gilt (aufgrund diverser Axiome):

Dem Mathematiker fällt also kein Apfel auf den Kopf und überlegt warum dieser Apfel nicht nach oben fliegt, sondern er nimmt eine zuvor geschaffene Struktur und überlegt, was man alles damit anstellen kann. Zum Beispiel nimmt man den Satz des Pythagoras und die natürlichen Zahlen. Mit ein bisschen Überlegen findet man schnell natürliche Zahlen, die die Gleichung a²+b²=c² erfüllen. Dies hat auf den ersten Blick kaum praktischen Nutzen, aber man kann damit sehr einfaach mit primitiven Werkeugen rechte Winkel erzeugen. Dem normalen Durchschnittsgriechen vor über 2000 jahren reichte das aus, ein paar schöne Tempel zu bauen, dem typischen mittelalterlichen Steinmetz für die Errichtung von Kathedralen.
Ihr seht also: Mathe kann einen ziemlich großen praktischen Nutzen haben. Denn nicht nur in jedem Haus, das stabil auf dieser Ered steht, stecken mathematische Formeln, auch in jedem Auto, jedem telefon, jeder großen Firma und vor allem in dem Computer, auf dem du gerade diesen Artikel liest.
Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass dies alles Beispiele sind, in denen mathematische Formeln die Chemie, Physik und Informatik unterstützen, und behaupten reine Mathematik habe keine Daseinsberechtigung.
Ich will nicht bestreiten, dass sich deren Nutzen nur für Mathematiker selbst erschließt, für Menschen, die Mathematik der Mathematik willen betreiben, bis zu dem Punkt, an dem ein Physiker kommt und eine geschaffene Formel für sein entdecktes Problem benutzt. Oft ist mathematik ihrer Anwendbarkeit vorraus, so wie philosophische Utopien ihren Zeiten vorraus sind.
Wie wunderschön Mathematik sein kann, und was sie richtige Mathematikern bedeutet zeigt dieser Film
Oder dieses Bild:

Zum Schluss kann ich nur sagen: Für die einen wird Mathe immer ein Arschloch bleiben,für die anderen ihr größte Liebe.
Ihr sagt, er scheint verrückt zu sein -
Das kommt daher, weil die Musik,
zu der er tanzt,
für eure Ohren nicht geschaffen ist.
Rumi, Das Lied der Liebe
Seit deiner Abkehr von der montäglichen Predigt wird das hier schon interessanter. (Natürlich nur, wenn Grafiken so eingebunden werden, dass man sie auch lesen kann
Und auch das mit Verlinken von Bildquellen, das musst alles noch a bisserl lernen. Nicht nur die Hohe Mathematik…
Von: michaelthurm am April 29, 2009
um 6:26