Verfasst von: manfredthurm | Januar 28, 2009

Die moderne Ständegesellschaft

So waren die Stände im Mittelalter aufgeteilt. Unten die Ärmsten und Rechtlosesten und ganz oben die Reichen. An der obersten Spitze stand natürlich der reichste und mächtigste Mann im Staat: Der König.

Nun hat die Geschichte gezeigt, dass eine solche Gesellschaftshierarchie auf Dauer keinen Bestand hat. Die unteren, und vor allem zahlreichen Stände rebellierten und das Ständesystem wurde abgeschafft. In unserer heutigen Demokratie in Deutschland existieren sie nicht mehr. Offiziell sind alle Menschen gleich und haben vor dem Gesetz die gleichen Rechte.

Wie gesagt: Offiziell, auf dem Papier.

Denn NIEMAND ist gleich. Wir sind alle Kinder anderer Eltern, genießen eine andere Erziehung und sind von der Natur aus mit anderen Genen und Fähigkeiten ausgestattet. Unser Elternhaus und dessen Haushalt entscheidet leider noch immer sehr über unseren zukünftigen Lebensweg.

Die modernen Stände würde ich wie folgt einteilen:

Der Dritte Stand ist heute die so genannte Unterschicht, Langzeitarbeitslose und Menschen, die unter der Armutsgrenze leben. Sie eint eine schlechte Ausbildung und ein geringes/gar kein Einkommen.

Der zweite Stand ist der viel gerühmte Mittelstand: Handwerker, Kleingewerbebetreiber, Kleinunternehmer,…. Dies ist der zahlenmäßig größte Stand (wie auch schon im Mittelalter) und dessen Angehörige haben je nach Rang im Stand eine Ausbildung, Abitur, oder einen Hochschulabschluss und sind finanziell nicht schlecht gestellt.

Der erste Stand ist wie immer der zahlenmäßig kleinste: Er vereint das obere Zehntel der Gesellschaft, dem knapp 50% des Gesamtnettovermögens gehören. Sie alle sind erfolgreiche Unternehmer oder besitzen aus anderen Gründen große Vermögen, haben für gewöhnlich eine gute Ausbildung genossen.

Natürlich haben alle Menschen innerhalb dieser Stände theoretisch die gleichen Chancen, aber welcher Sohn einer Harz4-Familie kann sich Nachhilfelehrer oder Sommercamps leisten? Oder welche begabte Tochter arbeitsloser Eltern hat die Möglichkeit die Privatschule in der nächstgrößeren Stadt zu besuchen? Hingegen die Kinder reicher Eltern haben es viel leichter solche Gelegenheiten wahrzunehmen. Laut der SZ von gestern haben viele Kinder aus Harz4 Familien nicht einmal die Möglichkeit ihren Geburtstag zu feiern, während die 16-Jährigen auf MTV rauschende Feste geben.

Wie früher nicht zwischen den Ständen geheiratet werden durfte, wird dies auch heute nur in den seltensten Fällen getan. Schließlich ist es ungewöhnlich wenn ein Millionär eine Bettelarme Dorfschönheit ehelicht. Wann sollten sie sich auch begegnen? Gruppen gleicher Einkommensklassen verkehren nur selten in anderen/niederen.

Weiterhin mag zwar Rechtsgleichheit gelten, aber wieso ist dann Herr Zumwinkel noch auf freien Fuß, wenn andere Steuerhinterzieher (für weit geringere Beträge) hinter Gitter wandern?

Dies sind nur ein paar Beispiele inwieweit noch heute eine Ständegesellschaft existiert. Niemand sollte die Augen davor verschließen, dass wir noch immer ungleich sind. Natürlich ist es heute viel eher möglich über die Grenzen seines „Geburtsstandes“ hinauszuwachsen, aber einfach ist es nicht.

Vielleicht wird unser Land eines Tages soweit sein, dass die Stände nicht mehr existieren. Es wird zwar immer Menschen unterschiedlicher Einkommensklassen geben, aber hoffentlich entscheidet irgendwann nicht mehr der elterliche Geldbeutel, sondern die eigenen Fähigkeiten über die eigene Zukunft.


Antworten

  1. Wie ich finde eins sehr vereinfachter Blick auf unsere heutige Gesellschaft Natürlich können Bessergestellte ihren Kindern auch eine weitaus bessere Bildung bieten, doch warum sollte man ihnen das auch verbieten. In den Ständegesellschaften war es unmöglich aufzusteigen, heute ist es nur unwahrscheinlich. Zwischen unmöglich und unwahrscheinlich, verbirgt sich der kleine aber pfeine Unterschied. Das Unwahrscheinliche kann durch Ehrgeiz und Hoffnung bezwungen weren, das Unmögliche nicht.

  2. Natürlich ist der Blick auf dieses Problem in diesem Blog sehr vereinfacht. Dieses Thema genau zu beleuchten würde Diplomarbeiten füllen.
    Natürlich ist dieser kleine Unterschied extrem wichtig, er unterscheidet unsere Gesellschaft von der der vergangenen Jahrhunderte.

    Aber ist diese Unwahrscheinlichkeit nicht ein wenig zu wenig? Stimmt es, dass Ehrgeiz und Hoffnung IMMER ausreichen, um ans Ziel zu kommen? Wir sind auf dem Weg der Besserung das mag sein, aber wir sind auch auf dem schmalen Grat davon wieder herunterzufallen.

    Hoffung und Mut werden einem Kind aber auch nicht in die Gene programmiert, sondern müssen von Eltern, Freunden und Lehrern gefördert werden. Natürlich wird es immer einzelne herrausragende Beispiele geben, die das schaffen, aber die breite Masse hat dieses Glück nicht.


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